GTA 6 hieß einst Project Americas, verrät Rockstar bei Bloomberg

GTA 6 begann als Project Americas, ein Spiel, das große Teile von Nord- und Südamerika abdecken sollte. Das erzählen Rockstars eigene Chefs in einer ausführlichen Reportage von Bloomberg Businessweek, die Jason Schreier (Bloomberg-Journalist mit Schwerpunkt Spielebranche) am 14. Oktober veröffentlicht hat. Schreier traf sie bei Rockstar North in Edinburgh: die drei Entwicklungschefs Rob Nelson, Aaron Garbut und Phil Hooker, Publishing-Chefin Jennifer Kolbe und Technikchef Jonathon Ashcroft.

Das Projekt reicht bis 2015 zurück, als Nelson mit einer Gruppe aus dem Team zur ersten Recherchereise nach Miami flog. Ursprünglich sollte das Spiel parallel zu Red Dead Redemption 2 entstehen. Weil der Western immer größer wurde, rückte Project Americas um mehrere Jahre nach hinten und schrumpfte später auf Vice City und Umgebung. 2019 stand der Kern der Geschichte: Jason und Lucia als Paar, das gemeinsam seinen Gangstertraum lebt.

Rund um das Spiel hat sich das ganze Studio verändert. Rockstar wuchs von 2.441 Beschäftigten im Jahr 2018 auf 4.711 in 12 Büros, und die meisten landeten bei diesem einen Projekt. Nach dem Abgang von Mitgründer Dan Houser wurde der oberste kreative Posten auf drei Personen verteilt. Nelson räumte gegenüber Bloomberg ein, dass manche im Team darin zu viele Köche sahen. Rockstar baute sogar ein eigenes Produktionsteam in Los Angeles auf, mit eigenen Autoren, Produzenten und Regisseuren, nur für die Inhalte der Nebenfiguren.

Bloomberg beschreibt auch, wie sich diese Arbeit im Spiel zeigt. Als Jason kannst du Lucia per Nachricht in einen Park bestellen, gemeinsam ins Fitnessstudio gehen oder zusammen einen Laden überfallen. Hooker erinnerte sich an eine Testsitzung, in der er zu einer Story-Mission aufbrach und nie ankam: Ein Streit im Straßenverkehr, ein Überfall, eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und ein Hehlergeschäft kosteten ihn rund zwei Stunden.

Am offensten sprechen die Chefs über die Verschiebungen. Laut Rockstar gab es nicht das eine Problem: Das Spiel brauchte schlicht mehr Zeit. Kolbe führte beide Telefonate mit Strauss Zelnick (Chef von Take-Two, Rockstars Mutterkonzern). Das zweite, die Verschiebung von Mai auf November 2026, traf ihn unvorbereitet. „Ich glaube, er sagte: ‚Du machst Witze. Bitte sag mir, dass du Witze machst‘“, erinnert sich Kolbe. Als das Team die Gründe erklärte, akzeptierte er es.

Beim Geld bleibt Rockstar bei keiner Zahl. Kolbe wies die oft wiederholte Behauptung zurück, das Spiel habe mehr als 1,5 Milliarden Dollar gekostet. Bloomberg selbst kommt zu dem Schluss, dass GTA 6 fast sicher das teuerste Videospiel aller Zeiten ist.

Kolbe äußerte sich auch zu den Arbeitsbedingungen. Nach den vielen Überstunden bei Red Dead Redemption 2 habe sich die Führung darauf geeinigt, das nicht zu wiederholen. „Es war nicht perfekt, aber sicher besser als bei Red Dead 2“, sagte sie. Garbut beschrieb den Hack von 2022, nach dem unfertiges Material im Netz landete, als Gefühl, als würde „jemand in deiner schmutzigen Wäsche wühlen“.

Für Fans ist der Ausblick der hoffnungsvollste Teil. Hooker sagt, das nächste Rockstar-Spiel werde keine weiteren acht Jahre dauern: „Die Engine, die Tools und das Team, die wir bei diesem Projekt aufgebaut haben, werden uns schneller arbeiten lassen.“ Bloomberg zieht den Vergleich zu Vice City, das ein Jahr nach GTA III erschien, weil es auf dessen Grundlagen aufbaute, einen Zeitplan nannte allerdings niemand. GTA 6 erscheint am 19. November für PlayStation 5 und Xbox Series X|S.

Quellen (4)