Rockstar steht ab dem 10. September in Glasgow vor dem Arbeitsgericht wegen der 31 entlassenen GTA-6-Entwickler, die Verhandlung endet 34 Tage vor dem Launch
Am 10. September eröffnet das Employment Tribunal in Glasgow die Hauptverhandlung über die Entlassung von 31 Rockstar-Beschäftigten in Großbritannien im Oktober 2025, angesetzt ist sie bis zum 16. Oktober. Die Termine bestätigte am 7. September die Gewerkschaft Independent Workers' Union of Great Britain (IWGB), die die Betroffenen vertritt, noch am selben Tag berichteten AFP, die Glasgow Times und City AM. Rockstar erklärte gegenüber AFP, die Personen seien „wegen groben Fehlverhaltens nach der Weitergabe vertraulicher Unternehmensinformationen entlassen worden, nicht wegen einer angeblichen Gewerkschaftsmitgliedschaft oder -tätigkeit“, und fügte hinzu: „Wir weisen die Vorwürfe zurück und werden uns vor dem Tribunal entschieden dagegen verteidigen.“
Worüber das Tribunal entscheidet. Die Gewerkschaft argumentiert, die Beschäftigten seien gezielt herausgegriffen worden, weil sie sich organisiert hatten; das Studio habe Namenslisten angelegt und benutzt, um sie zu benachteiligen, was das britische Recht als Blacklisting einstuft; und schon die Art der Entlassung sei rechtswidrig gewesen: kein Disziplinarverfahren und, in den Worten der Gewerkschaft, kein „Recht auf Widerspruch“. Ihre Schilderung jenes Tages, in dieser Woche in der Berichterstattung erneut aufgegriffen: Bürobeschäftigte wurden in Besprechungen gerufen, auf der Stelle entlassen und aus dem Gebäude begleitet, Remote-Beschäftigte bekamen Anrufe von etwa zwei Minuten, bevor ihre Konten gesperrt wurden. Die Version von Rockstar hat sich seit Oktober nicht geändert: Die Nachrichten seien auf einem privaten Discord-Server der Gewerkschaft gepostet worden und hätten gegen Vertraulichkeitsvereinbarungen verstoßen. Drei weitere Personen wurden zur selben Zeit in Kanada entlassen; sie gehören nicht zum Verfahren in Glasgow.
Wie der Fall bis hierhin kam. Im Januar lehnte Employment Judge Frances Eccles nach einer zweitägigen Anhörung einstweiligen Rechtsschutz ab, also die Eilanordnung, die die Beschäftigten bis zum Prozess auf der Gehaltsliste und ihre Visa gültig gehalten hätte. Sie schrieb, das Tribunal „konnte nicht zu dem Schluss kommen, dass es wahrscheinlich erscheint, dass das Tribunal als Hauptgrund für die Entlassung der Kläger ihre Mitgliedschaft in der IWGB feststellen wird“, hielt zugleich aber fest, dass der Discord-Server rund 350 Mitglieder hatte, dass einige der Entlassenen dort kaum etwas gepostet hatten und dass niemand vor der Entlassung eine Disziplinaranhörung bekam. Rockstar sagte danach: „Wir bedauern, dass wir in eine Lage gebracht wurden, in der Entlassungen notwendig waren, aber wir stehen zu unserem Vorgehen, wie es das Ergebnis dieser Anhörung bestätigt.“ Im Juni wies das Tribunal den Versuch von Rockstar zurück, die Blacklisting-Vorwürfe aus dem Verfahren streichen zu lassen, alles, was die Gewerkschaft eingereicht hat, kommt also zur Verhandlung. Zwischendurch stellte die Gewerkschaft am 30. Juni den Antrag auf Anerkennung und hielt am 22. Juli ihr erstes formelles Treffen mit der Geschäftsführung ab, worüber wir damals berichtet haben.
Eine kleine Korrektur in eigener Sache. Der Beschluss vom Juni und unsere Notiz vom Juli nannten als Prozesszeitraum den 10. September bis 15. Oktober. Die Erklärung der Gewerkschaft in dieser Woche und der AFP-Bericht sagen 16. Oktober. Wir übernehmen das neuere Datum.
Was es für das Spiel bedeutet: für den Kalender nichts. Der 19. November steht, und ein Arbeitsrechtsstreit in Schottland berührt den Build nicht. Was sich ändert, ist die Geräuschkulisse. Die Verhandlung ist öffentlich, die Gewerkschaft sagt seit Juni, „die Welt wird die Beweise dafür, was im vergangenen Oktober passiert ist, mit eigenen Augen sehen“, und die letzte der fünf Wochen fällt auf 34 Tage vor dem Release, mitten in die letzte Marketingphase. Jason Lewis, einer der 31, formulierte es so: „Wir haben unsere Jobs, unser Einkommen, unsere Gemeinschaft und die Chance verloren, das Spiel bis zum Release zu begleiten, nachdem wir jahrelang daran mitgebaut haben.“ IWGB-Präsident Alex Marshall griff zum Wortspiel: „Wir glauben, Rockstar wollte mit Grand Theft Employment Rights durchkommen.“ Ein Termin für das Urteil ist nicht bekannt gegeben worden.
Quellen (6)
- www.bnnbloomberg.ca · 2026-09-07
“We reject the claims and will defend them vigorously before the tribunal.”
- uk.news.yahoo.com · 2026-09-07
“We believe Rockstar has tried to get away with Grand Theft Employment Rights.”
- www.cityam.com · 2026-09-07
- iwgb.org.uk · 2026-06-17
“The world will get to see for itself the evidence as to what happened last October.”
- www.gamedeveloper.com · 2026-01-13
“We regret that we were put in a position where dismissals were necessary, but we stand by our course of action as supported by the outcome of this hearing.”
- www.gtaboom.com · 2026-09-07