EU zwingt Sony nicht zu Discs, Brasilien bringt dafür ein Gesetz zum Spieleerhalt ein
Die Regulierer melden sich zu Wort, und sie sind sich nicht einig. Michael McGrath, der für Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar, sagte Reportern im Europäischen Parlament in Straßburg, dass Brüssel Sonys Disc-Ausstieg nicht stoppen wird: 'Unternehmen steht es frei, Spiele und Dienste so anzubieten, wie sie es für richtig halten, sofern die Verbraucherrechte im Einklang mit nationalem und EU-Recht vollständig gewahrt bleiben' (zuerst berichtet vom Irish Mirror, am 10. Juli aufgegriffen von Kotaku und GamesRadar). Das deckt sich mit der Antwort der Kommission vom Juni auf die Initiative Stop Killing Games mit ihren 1,29 Millionen Unterschriften: Eine rechtliche Pflicht, Spiele spielbar zu halten, sei nicht möglich, stattdessen Gespräche mit der Branche über einen freiwilligen Verhaltenskodex und klarere Angaben beim Kauf.
Brasilien geht den umgekehrten Weg. Am 9. Juli reichte die Bundesabgeordnete Jandira Feghali den Gesetzentwurf 3612/2026 ein, direkt inspiriert von Stop Killing Games. Publisher müssten demnach schon beim Kauf offenlegen, ob ein Spiel von Online-Servern abhängt, eine Mindest-Supportdauer garantieren, eine Serverabschaltung mindestens 180 Tage vorher ankündigen und danach entweder ein Offline-Update liefern, den Spielern Community-Tools übergeben oder anteilig Geld zurückzahlen, bei Verstößen drohen Bußgelder. Der Entwurf kam wenige Tage, nachdem die Abgeordnete Erika Hilton die Verbraucherschutzbehörde Senacon gebeten hatte, Sonys Disc-Pläne zu prüfen. Es warten noch Ausschüsse, Abstimmungen in beiden Kammern und die Unterschrift des Präsidenten, der Weg ist also lang.
GTA 6 steht mitten in dieser Debatte: Das Spiel erscheint am 19. November mit einem Download-Code statt einer Disc in der Box, und GTA Online läuft komplett auf Rockstars Servern, also genau das Szenario, das Feghalis Gesetz regeln will. Die Petition 'Don't Kill the Disc' hat inzwischen 250.000 Unterschriften überschritten, und Sony schweigt weiter.
Quellen (5)
- kotaku.com · 2026-07-10
“Companies are free to offer games and services in the manner that they see fit, provided that consumer rights are fully protected in line with national and EU law.”
- www.gamesradar.com · 2026-07-10
- www.pushsquare.com · 2026-07-09
- www.gtaboom.com · 2026-07-10
- www.change.org · 2026-07-10